Regenwasser nicht verschwenden

Niemand hat ein Interesse daran wertvolles Regenwasser zu verschwenden. Allerdings müssen hierzu die jeweiligen Abgeordneten in den Städten und Gemeinden dem Thema "Schwammstadt" Aufmerksamkeit schenken, damit neben der nachhaltigen/sparsamen Wassernutzung auch der Wasserrückhalt in der Region bereits bei der Bauplanung berücksichtigt wird.
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Erst kürzlich ist das Jahr 2023 zum wärmsten Jahr seit der Wetteraufzeichnung erkoren worden (Quelle). Darüber hinaus gab es in diesem Jahr wieder Starkregenereignisse in der Region des Wasserverbandes Strausberg-Erkner (WSE) die aufzeigten, dass beim Regenwassermanagement sowie der Schmutzwasserableitung noch Verbesserungsbedarf besteht.

„Wenn bei Starkregen die natürliche Rückhalte-Kapazität der Landschaft überschritten wird, kommt es zu Überflutungen von Straßen oder Kellern. In solchen Fällen gelangt dann das Wasser auch in die Schmutzwasserkanalisation des WSE. Genau das soll aber nicht passieren, da der WSE ein sogenanntes Trennsystem betreibt. Das bedeutet: Niederschlagswasser und Schmutzwasser sollen getrennt bleiben. Bei Starkregen kommen unser Netz und unsere Technik damit an die Grenzen. Das Netz ist für die Regenwassermassen nicht ausgelegt.“ (Quelle)

Dementsprechend wird kostbares Regenwasser aus der Region abgeleitet und kann nicht lokal zur Grundwasseranreicherung genutzt werden. Im Landesniedrigwasserkonzept aus 2021 finden sich auf Seite 38 dazu folgende Ansätze:

  • Flächenentsiegelung und Erhöhung der Versickerungsfähigkeit der Böden zur Anreicherung des Grundwasserspeichers. Nicht versiegelter Boden erfüllt u. a. natürliche Funktionen als Bestandteil des Naturhaushalts mit seinen Wasserkreisläufen und hat Filter- und Puffereigenschaften insbesondere auch zum Schutz des Grundwassers (§ 2 (2) Ziff. 1b, c Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG). Entsiegelungsmaßnahmen dienen der Wiederherstellung von funktionsfähigen Böden. Während der Grundsatz des sparsamen und schonenden Umgangs mit Boden und das Ziel zur Reduzierung von Flächenneuinanspruchnahme und Versiegelung in verschiedensten Strategien, Planungs- und Rechtsgrundlagen enthalten ist, fehlen griffige Vorschriften und Zielsetzungen zur dauerhaften Beseitigung nicht mehr benötigter Bodenversiegelungen bisher weitestgehend. Eine Möglichkeit für eine rechtssichere Verpflichtung zur Entsiegelung dauerhaft ungenutzter Flächen für die Wiederherstellung des Bodens und seiner Funktionen fehlt ebenfalls. Es ist festzustellen, dass es bei der Ausgestaltung und Anwendung der Instrumente zur Entsiegelung noch viel Entwicklungs- und Verbesserungspotenzial gibt.

     

  • Nachhaltiges Regenwassermanagement, wie z.B. Regenwasserspeicherung in Zisternen zur Brauchwassernutzung und für die Bewässerung von Gärten und städtischem Grün, Anlage von Gründächern, dezentrale Versickerung in Mulden-Rigolen-Systemen etc..

     

  • Förderung der Grundwasserneubildung durch naturnahe Waldbewirtschaftung. Entscheidend für die Grundwasserneubildung ist die Erhöhung des Laubholzanteils in den Kiefernwäldern. Waldumbau muss vor allem auch durch Naturverjüngung erfolgen. Dazu ist ein entsprechendes Jagdregime, welches durch die Novellierung des Jagdgesetzes möglich gemacht werden soll, erforderlich. Für die Förderung der Grundwasserneubildung ist ein fortschrittliches Jagdgesetz deshalb unabdingbar. Daneben geht es aber auch um wassersensibles Wirtschaften, wie den Verschluss von Rückegassen und die Erhaltung dezentraler Speicher (z.B. kleine Bodenmulden), Erhaltung von Totholz etc..
  • Reduzierung des Wasserbedarfs der Landwirtschaft durch angepassten Fruchtanbau und Bewirtschaftung und wassersparende Beregnung, beispielsweise mittels:
  1. Beratung bei der Auswahl zu trockenheitsresistenter Kulturen
  2. Bestandserhebung, Überprüfung und Rückbau von Drainagen und Einrichtungen zur Flächenentwässerung in Abstimmung mit der Landwirtschaft
  3. Anpassung der landwirtschaftlichen Förderung an Anforderungen eines nachhaltigen Umgangs mit verfügbaren Wasserressourcen (Kulturen, die Versickerung und lockeren Boden begünstigen; Einhaltung bestimmter Fruchtfolgen; verstärkte Maßnahmen gegen Wind-und Wassererosion)
  4. Umsetzung des Projektes „Naturnahe, landwirtschaftliche Wasserspeicherbecken“. Grundlage ist eine Projektskizze zur lokalen Wasserspeicherung in einem naturnahen Biotopkomplex für die regionale Pflanzenproduktion und der damit verbundenen Steigerung der natürlichen Ökosystemleistungen und wesentlichen Erhöhung der Biodiversität. Für die Projektskizze wurden Ergebnisse aus dem durch das MLUK finanzierten Projekt „Obstbau und Zivilgesellschaft im Diskurs“ (Teil A, konzeptioneller Teil) genutzt.
  5. Auf der Grundlage von Wirtschaftlichkeitsanalysen, Wasserbedarfen und Prognosen zur künftigen bzw. perspektivischen Wasserverfügbarkeit ist eine Prüfung der Teichkulisse des Landes hinsichtlich der Instrumente zu deren Erhaltung erforderlich.
  6. Unterstützung von Maßnahmen der Niedrigwasservorsorge durch eigentumsrechtliche Neuordnungen im Rahmen von Flurbereinigungsverfahren

In der Realität hat sich an dieser Stelle jedoch noch nichts sichtbar „bewegt“. Vielmehr wird durch den Metropoldruck von Berlin zunehmend und weiterhin großflächig Boden durch Straßen, Häuser, Gewerbegebiete usw. versiegelt. 

Das die Situation in der Verbandsregion des WSE von Hoppegarten bis Strausberg besonders prekär ist zeigt die Niedrigwasserampel des Landesamtes für Umwelt (LfU) sowie die seit 2019 bestehende Allgemeinverfügung zum Verbot der Wasserentnahme im gesamten Kreisgebiet Märkisch-Oderland (PDF der Allgemeinverfügung)

Zusammenfassung:
Niemand hat ein Interesse daran wertvolles Regenwasser zu verschwenden. Allerdings müssen hierzu die jeweiligen Abgeordneten in den Städten und Gemeinden dem Thema „Schwammstadt“ Aufmerksamkeit schenken, damit neben der nachhaltigen/sparsamen Wassernutzung auch der Wasserrückhalt in der Region bereits bei der Bauplanung berücksichtigt wird.

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